Helsinki: (M)ein August voller Bücher – Teil 2

Suomenlinna

Vier Wochen lang war ich insgesamt in Helsinki, um an einem Übersetzungskurs in Finnland teilzunehmen. Über die ersten beiden Wochen habe ich in meinem letzten Blogbeitrag geschrieben. In dieser Zeit hatte ich schon einige der Kursteilnehmerinnen kennengelernt und war bereits eingestimmt auf das, was nun vor uns lag. Darum geht es in meinem heutigen Beitrag.

Zwei Wochen Fortbildung: der Übersetzungskurs

Die letzten beiden Augustwochen habe ich schließlich im Übersetzungskurs verbracht und mit vielen klugen und inspirierenden Menschen über Literatur und Übersetzungen gesprochen. Am Kurs haben insgesamt 14 Personen aus unterschiedlichen Ländern teilgenommen und wir haben in 10 verschiedene Sprachen übersetzt. Geleitet wurde der Kurs von Sebastian Musielak, einem renommierten Übersetzer aus Polen, der uns mit viel Erfahrung und Begeisterung gezeigt hat, worauf es bei der Arbeit mit finnischen Texten ankommt.

Eine Eingangshalle mit Säulen und einer kunstvoll verzierten Decke.
Die Eingangshalle des Gebäudes von SKS.

Bereits im Vorfeld hatten wir die Aufgabe, Auszüge aus zwei Romanen zu übersetzen, da diese unsere Arbeitsgrundlage darstellten:

  • „Pessi ja Illusia“ von Yrjö Kokko (in der Ausgabe von 1963; WSOY, Helsinki); auf Deutsch: „Pessi und Illusia“ (2000; Hinstorff, Rostock; Übersetzung: Tuuli Mahringer)
  • „36 uurnaa” von Sirpa Kähkönen (2023; Siltala, Helsinki); bald auf Deutsch: „Komm, Mama“ (2025; Blessing, München; Übersetzung: Stefan Moster)

Jedem der beiden Titel widmeten wir eine Woche Zeit, um uns über den Text und unsere Herausforderungen in der Übersetzung auszutauschen. Schnell wurde deutlich, dass sie je nach Sprache ganz unterschiedlich gelagert waren. Während manche Dinge im Deutschen einfach zu übersetzen waren und es vielleicht gleiche oder ähnliche Bilder gab, war es vielleicht im Ungarischen oder Italienischen anders und die Übersetzer*innen mussten andere Lösungen für dieses Bild anstreben. Manchmal war das zum Beispiel bei Metaphern der Fall, manchmal bei einzelnen, unscheinbar wirkenden Formulierungen. Nicht nur im Hinblick auf den Ausgangstext war das sehr spannend. Die unterschiedlichen Perspektiven auf ein und denselben Text waren für mich sehr bereichernd und ich habe sehr viel auch über die Kulturen und Sprachen der Kursteilnehmer*innen gelernt.

Ergänzend zur eigentlichen Übersetzungsarbeit gab es immer wieder Übungen, die uns unseren eigenen Übersetzungsprozess reflektieren ließen und halfen, tiefer in den Wortschatz unserer eigenen Sprachen einzutauchen.

Kaffee – Treibstoff für Übersetzer*innen

Kursorganisation und Rahmenprogramm

Den organisatorischen Teil übernahm FILI und wir wurden von der lieben Mikaela nicht nur hervorragend betreut und mit ausreichend Kaffee versorgt (und lass mich dir sagen, dass angehende Übersetzer*innen viel Kaffee trinken).
Auch das Rahmenprogramm aus Vorträgen und Gesprächen war toll und lehrreich. Hier konnten wir mehr lernen über hilfreiche Quellen für Übersetzer*innen, Praxistipps aus dem Übersetzer*innenalltag, KI und Ethik in der Übersetzung und darüber, welche unterschiedlichen Felder die finnische Literatur bereithält. Ganz besonders waren schließlich zwei Programmpunkte:

Ein Tisch voller Papiere, die allesamt Manuskripte aus einem Archiv sind.
Einblicke in das Archiv von SKS
  • Im Archiv von SKS (Suomalaisen kirjallisuuden seura) durften wir einen Blick auf Yrjö Kokkos Manuskript von „Pessi ja Illusia“ werfen. Der Text war mit vielen Zeichnungen versehen und es war spannend zu sehen, dass auch sein erstes Manuskript nicht perfekt war – wie auch unsere Übersetzungen.
  • Sirpa Kähkönen war in der zweiten Woche zu Gast und erzählte über ihren Roman, die Arbeit daran und über die Kuopio-Reihe, deren erster Band in Finnland 1998 erschien. Sie hatte auch einige Fotos dabei und nahm sich auch Zeit für unsere Fragen und dafür, unsere Bücher zu signieren.

Fazit

Durch das tolle Programm und die spannenden Gespräche vergingen die zwei Wochen wie im Flug. Ich habe Helsinki sehr beschwingt verlassen und bin gleichzeitig unglaublich dankbar, dass ich für diesen Kurs ausgewählt wurde. Während mein echtes Gepäck nach dem Monat in erster Linie aus Büchern bestand, habe ich aber noch viel mehr aus dieser Zeit mitgenommen: bessere Kenntnisse im Bereich Übersetzung, eine gehörige Portion Inspiration und Motivation sowie eine Reihe toller und wertvoller Kontakte.

Gerne wäre ich noch ein wenig länger geblieben, doch auch so eine wunderbare Zeit geht irgendwann dem Ende entgegen. Im Kurs hieß es am letzten Tag aber ganz treffend: Das hier ist nicht das Ende, das hier ist erst der Anfang.

PS: Die Fotos habe ich im Laufe des Aufenthaltes gemacht. Alle genannten Bücher und Orte sind auch in diesem Beitrag persönliche Empfehlungen meinerseits (unbezahlte Werbung).


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